
Die Einleitung einer Bachelorarbeit umfasst üblicherweise nur fünf bis zehn Prozent des gesamten Textes. Doch auf diesen ersten Seiten entscheidet sich, ob Prüfer Deinem roten Faden folgen können. Den Kern bilden drei Bausteine: Problem, Ziel und Frage. Besonders die Zielsetzung der Bachelorarbeit bereitet vielen Studierenden Mühe.
Vielleicht kennst Du das: Du hast das Problem skizziert und eine Forschungsfrage formuliert. Beim Zielsatz schreibst Du jedoch fast denselben Gedanken ein zweites Mal nieder. So wirken Ziel und Frage wie gedoppelte Textbausteine. Wie trennst Du Problemstellung, Zielsetzung und Forschungsfrage sauber voneinander, sodass sie aufeinander aufbauen?
Das Dreigespann der Einleitung
In der Einleitung teilen sich drei Bausteine die Arbeit. Die Problemstellung erklärt das Warum: Sie zeigt eine Lücke im Wissen oder eine ungelöste Herausforderung in der Praxis. Die Zielsetzung benennt das Wozu, also den Erkenntnisgewinn, den Deine Arbeit liefern soll. Die Forschungsfrage schließlich legt das Was fest, das Du konkret untersuchst.

Für den Problemaufriss genügen in der Regel ein bis zwei Absätze. Wie Du ihn aufbaust, zeigt der Beitrag zur Problemstellung der Bachelorarbeit. Problem und Ziel formulierst Du als Aussagesätze im Präsens, etwa „Ziel dieser Arbeit ist es, …“. Die Forschungsfrage hingegen ist eine offene W-Frage mit „Wie“, „Inwiefern“ oder „Welche Faktoren“. Ja-Nein-Fragen sehen viele Lehrstühle ungern, da sie die Antwort vorwegnehmen.
Warum, Wozu, Was
Das Problem begründet die Arbeit, das Ziel nennt ihren Ertrag und die Frage steuert die Untersuchung.
Unterschied zwischen Zielsetzung und Forschungsfrage
Warum fällt diese Trennung so schwer? Beide Bausteine beziehen sich auf denselben Gegenstand, erfüllen aber verschiedene Aufgaben. Die Forschungsfrage ist Dein Navigationsinstrument. Sie bestimmt, welche Daten Du erhebst, welche Literatur Du auswertest und wie Du den Hauptteil gliederst. So bewahrt sie Dich davor, während der Arbeit thematisch abzuschweifen.
Die Zielsetzung beschreibt hingegen den Ertrag, der nach der Beantwortung der Frage vorliegt. Sie sagt, welches Wissen danach verfügbar ist und wem es nützt. Aus meiner Sicht zeigt sich erst hier der eigentliche Mehrwert Deiner Thesis. Die Frage beschreibt also die Suche, das Ziel das Ergebnis am Ende des Weges. Wie Du die Frage selbst formulierst, liest Du im Beitrag zur Forschungsfrage der Bachelorarbeit.
Scheinziel vermeiden
Häufig verwandeln Studierende die W-Frage lediglich in einen Infinitivsatz. Aus „Welche Ursachen hat die hohe Fluktuation?“ wird dann das Ziel, „die Ursachen der hohen Fluktuation zu ermitteln“. Dabei handelt es sich um eine bloße Umformulierung, die keinen eigenen Inhalt hat. Prüfer erkennen diese Doppelung sofort.
Ein tragfähiges Ziel geht einen Schritt weiter. Es sagt, was mit der Antwort geschieht. Du ordnest die Ursachen etwa in ein Modell ein oder vergleichst sie mit dem Forschungsstand. Prüfe Deinen Zielsatz daher mit einer einfachen Probe. Ersetzt Du „Ziel ist es, … zu ermitteln“ durch die Frage und es geht nichts verloren, fehlt der eigene Ertrag.
Denkprozess und Textaufbau
Beim Planen Deiner Arbeit denkst Du in einer anderen Reihenfolge, als Du später schreibst. Zunächst stößt Du auf ein Problem, daraus leitest Du eine Frage ab. Erst wenn diese steht, wird Dir klar, welches Erkenntnisziel Du verfolgst. Wie Dir geht es vielen Studierenden: Das Ziel kristallisiert sich oft erst nach der Frage heraus.
Im Text der Einleitung steht das Ziel hingegen häufig vor der Frage. Nach dem Problemaufriss spannst Du mit der Zielsetzung das große Bild auf. Danach folgt die Forschungsfrage, die dieses Ziel prüfbar macht. So folgst Du dem Trichterprinzip vom Allgemeinen zum Speziellen. Manche Lehrstühle bevorzugen die umgekehrte Reihenfolge, beide Varianten sind üblich.
Für den roten Faden gilt ein klares Prüfkriterium. Jede Teilfrage muss auf das übergeordnete Ziel einzahlen. Führt eine Teilfrage am Ziel vorbei, streichst Du sie oder passt das Ziel an. Auf diese Weise vermeidest Du eine Zersplitterung Deiner Arbeit in lose Einzelthemen.
Erkenntnisziele und Arbeitsschritte trennen
Im Coaching erlebe ich häufig, dass Studierende ihre To-do-Liste als Teilziele ausgeben. Literatur sichten, einen Fragebogen erstellen oder Interviews führen sind jedoch methodische Arbeitsschritte. Sie beschreiben den Weg, nicht das Ergebnis. Das ist völlig normal, solltest Du vor der Abgabe aber korrigieren.
Stehen solche Tätigkeiten als Ziel in der Einleitung, entsteht der Eindruck, Du hättest den Zweck Deiner Forschung nicht erfasst. Die Methode ist Dein Handwerkszeug, das Ziel ist der inhaltliche Ertrag. Wie Du das Vorgehen beschreibst, gehört in das Methodik-Kapitel. In der Zielsetzung genügt ein Halbsatz zur Methode.
| Ebene | Arbeitsschritt (Weg) | Inhaltliches Teilziel (Ertrag) |
|---|---|---|
| Theorie | Literatur zur Technologieakzeptanz sichten | Einflussfaktoren der Akzeptanz aus der Literatur ableiten |
| Erhebung | Zehn Interviews mit Beschäftigten führen | Hemmnisse im Arbeitsalltag erfassen und typisieren |
| Auswertung | Interviews nach Kategorien codieren | Theoretische und praktische Faktoren abgleichen |
Inhaltliche Teilziele definieren
Echte Teilziele gliedern den Erkenntnisfortschritt Deiner Untersuchung. Das erste Teilziel erarbeitet etwa die theoretischen Faktoren aus der Literatur. Das zweite erfasst die Lage in einem konkreten Praxisfeld. Das dritte führt beide Stränge zusammen und zeigt, wo Theorie und Praxis übereinstimmen oder abweichen.
Achte darauf, dass jedes Teilziel einen Zuwachs an Wissen benennt. Hierfür eignen sich Verben wie ableiten, einordnen, vergleichen, erklären oder bewerten. Verben wie lesen, befragen oder auswerten beschreiben hingegen Tätigkeiten. So machst Du sichtbar, was Deine Arbeit am Ende tatsächlich liefert.
Ziele in Literaturarbeiten
Schreibst Du eine reine Literaturarbeit, entfällt die eigene Erhebung. Dein Ziel darf jedoch nicht darin bestehen, Lehrbücher zusammenzufassen. Der Ertrag liegt hier in der Systematisierung: Du vergleichst konkurrierende Ansätze, ordnest Studien nach Kriterien oder deckst Widersprüche im Forschungsstand auf.
Ein Ziel könnte etwa lauten, zwei Erklärungsansätze für ein Phänomen gegenüberzustellen und ihre Reichweite für eine Branche zu bewerten. Die Grundlage bildet eine systematische Literaturrecherche für die Bachelorarbeit. Wie Du die Arbeit insgesamt aufbaust, zeigt der Beitrag zur Literaturarbeit.
Ergebnis statt Werkzeug
Ein Teilziel beschreibt, welches Wissen entsteht, und nicht, welche Methode Du dafür anwendest.
Praxisproblem und Erkenntnisziel trennen
Schreibst Du Deine Arbeit in einem Unternehmen, ist einige Vorsicht geboten. Der Betrieb denkt in Lösungen und Kennzahlen: mehr Umsatz, weniger Kosten, schnellere Abläufe. Die Universität verlangt hingegen einen Erkenntnisgewinn, der über den Einzelfall hinausreicht. Dieser Zielkonflikt begegnet Dir besonders oft, wenn Du neben dem Beruf oder im Fernstudium schreibst.
Es gilt, das betriebliche Anliegen in eine wissenschaftliche Fragestellung zu übersetzen. Nutzen etwa nur wenige Beschäftigte ein neues Ticketsystem, ist das ein Sachproblem des Betriebs. Das Erkenntnisziel lautet dann, die Faktoren der Akzeptanz digitaler Werkzeuge in diesem Umfeld zu erklären. Hierfür bietet sich ein etabliertes Modell wie das Technologieakzeptanzmodell an. Dein Unternehmen bleibt der Fall, an dem Du diese Faktoren untersuchst. Mehr zur Zusammenarbeit mit dem Betrieb liest Du im Beitrag Bachelorarbeit im Unternehmen.

Wahre dabei die Ergebnisoffenheit des Zielsatzes. Lautet Dein Ziel, ein bestimmtes Tool einzuführen, nimmst Du das Ergebnis bereits vorweg. Zwar darf die Zielsetzung ankündigen, dass Du Empfehlungen ableitest, doch welche das sind, ergibt sich erst aus der Analyse. Daher würde ich davon abraten, konkrete Lösungen schon in der Einleitung zu nennen. Wie Du Empfehlungen im Schlussteil entwickelst, zeigt der Beitrag zu Handlungsempfehlungen in der Bachelorarbeit.
Muster und Beispiel
Wie könnte eine vollständige Zielsetzung aussehen? Bestimmte Formulierungsmuster helfen Dir, Ziel und Frage sprachlich zu trennen. Nachstehend findest Du typische Satzanfänge und ein Beispiel, das an das Ticketsystem anknüpft.
Rückbindung im Fazit
Ein sauber formuliertes Ziel erleichtert Dir das letzte Kapitel. Im Fazit greifst Du Frage und Ziel in zwei Schritten auf. Zunächst beantwortest Du die Forschungsfrage knapp auf Basis Deiner Ergebnisse. Danach prüfst Du, in welchem Maß Du die Zielsetzung erreicht hast.
Hast Du ein Teilziel nur teilweise erreicht, ist das in der Regel kein Makel. Benenne offen, woran es lag, etwa an einer kleinen Stichprobe oder fehlenden Daten. Solche Limitationen zeigen Prüfern, dass Du Deine Arbeit kritisch einordnen kannst. Wie Du das Schlusskapitel aufbaust, liest Du im Beitrag zum Fazit der Bachelorarbeit.
Abweichende Vorgaben am Lehrstuhl
Mitunter verwenden Betreuer Zielsetzung und Fragestellung als gleichbedeutende Begriffe. Andere verlangen nur eine Forschungsfrage und keinen eigenen Zielsatz. Mein Rat: Kläre früh, welche Bausteine Dein Betreuer in der Einleitung erwartet. Halte Dich anschließend an die Begriffe des Lehrstuhls, auch wenn sie von diesem Leitfaden abweichen. So vermeidest Du Missverständnisse im Gutachten.
Ich empfehle Dir, Deine Einleitung vor dem nächsten Betreuungsgespräch anhand der drei Fragen zu prüfen: Warum, Wozu, Was. Steht jeder Baustein in einem eigenen Absatz und baut auf dem vorherigen auf, trägt Dein roter Faden. Möchtest Du Deine Zielsetzung gemeinsam schärfen, begleite ich Dich im Thesis-Coaching für Berufstätige. So startest Du mit einer klaren Struktur in die Bachelor- oder Masterarbeit.



