
Die Einleitung einer Bachelorarbeit umfasst meist nur wenige Seiten. Dennoch prägt sie den ersten Eindruck beim Prüfer. Viele Studierende wählen ein spannendes Thema, zeigen aber nicht, warum es eine Untersuchung braucht. Genau diese Aufgabe übernimmt die Problemstellung.
Vielleicht kennst Du das: Du hast viel gelesen, doch das eigentliche Problem lässt sich kaum greifen. Ohne klaren Konflikt fehlt Deiner Arbeit jedoch der rote Faden. Wie Dir geht es vielen Studierenden, ob in der Bachelor- oder in der Masterarbeit.
Folgend erhältst Du einen Leitfaden für die Problemstellung der Bachelorarbeit: Abgrenzung, Länge, Aufbau, Formulierungen und ein Beispiel. Wie formulierst Du eine Problemstellung, die Deinen Prüfer überzeugt?
Problemstellung, Forschungsfrage und Ziel
Im Coaching erlebe ich häufig, dass Studierende drei Begriffe vermischen. Die Problemstellung beschreibt die Lücke zwischen einem unbefriedigenden Ist-Zustand und einem wünschenswerten Soll-Zustand. Sie zeigt, wo Wissen fehlt oder wo etwas in der Praxis nicht funktioniert. Sie besteht aus Aussagesätzen, die Du mit Quellen belegst.
Aus diesem Problem leitest Du die Forschungsfrage ab, die mit einem Fragezeichen endet. Die Zielsetzung schließlich nennt, welches Ergebnis Deine Arbeit liefern soll, etwa ein Vergleich, ein Modell oder eine Empfehlung. Wie Du die Frage formulierst, zeigt der Beitrag zur Forschungsfrage der Bachelorarbeit. Wie Du das Ziel davon abgrenzt, liest Du im Beitrag zur Zielsetzung der Bachelorarbeit.

Länge und Platzierung
Wie lang ist eine Problemstellung? Die Unsicherheit ist groß, denn der Begriff meint zwei verschiedene Dinge. Zum einen die Kernaussage, die das Problem in wenigen Sätzen zuspitzt. Zum anderen den gesamten Problemaufriss mit Hintergrund und Belegen.
Steht die Problemstellung im Fließtext der Einleitung, umfasst sie üblicherweise 100 bis 250 Wörter, also ein bis zwei Absätze. Ist sie ein eigenes Unterkapitel, etwa 1.1, gelten eine bis zwei Seiten als üblich. Im Exposé genügt in der Regel eine halbe bis eine Seite. Wie das Exposé insgesamt aufgebaut ist, liest Du im Beitrag zum Exposé der Bachelorarbeit.
Aus meiner Sicht lohnt es sich, den Umfang früh mit Deinem Betreuer abzustimmen. Manche Lehrstühle erwarten ein eigenes Kapitel, andere nur einen kurzen Absatz in der Einleitung. Welche Teile die Einleitung insgesamt enthält, zeigt der Beitrag zur Einleitung der Bachelorarbeit.
Kern zuerst
Bringe das Problem zuerst in zwei bis drei Sätzen auf den Punkt und baue erst dann den Hintergrund aus.
Aufbau nach dem Trichterprinzip
Bewährt hat sich das Trichterprinzip. Du beginnst mit dem breiten Umfeld und verengst den Blick Schritt für Schritt bis zu Deiner Frage. So führst Du den Leser ohne Umwege zum Kern Deiner Arbeit.

Kontext und Relevanz
Zu Beginn ordnest Du das Thema in sein Umfeld ein, etwa eine wirtschaftliche oder gesellschaftliche Entwicklung. Hier gilt eine klare Belegpflicht. Eine Aussage wie „Das Thema gewinnt an Bedeutung“ ohne Quelle bewerten Prüfer als Behauptung. Nenne stattdessen Zahlen, Studien oder Berichte, die den Problemdruck zeigen. Wie Du solche Quellen findest, zeigt der Beitrag zur Literaturrecherche für die Bachelorarbeit.
Widerspruch und Lücke
Anschließend arbeitest Du den Bruch heraus. Vielleicht gibt es zu einem Problem nur Theorien, aber kaum Daten. Oder bewährte Ansätze passen nicht zu einer neuen Lage, etwa zu kleinen Betrieben oder einer neuen Rechtslage. Benenne diese Lücke deutlich, denn sie macht Deine Arbeit erst notwendig.
Überleitung zur eigenen Arbeit
Zum Schluss schlägst Du die Brücke zu Deiner Untersuchung. Du zeigst, welchen Teil der Lücke Deine Arbeit schließt, und leitest daraus Ziel und Forschungsfrage ab. So entsteht ein logischer Übergang, der den Leser direkt in Deine Arbeit führt.
Problemstellung nach Arbeitsform
Je nach Art der Arbeit setzt die Problemstellung unterschiedliche Schwerpunkte. In einer Literaturarbeit geht es oft um widersprüchliche Positionen oder uneinheitliche Begriffe. In einer quantitativen Arbeit stehen ungeklärte Zusammenhänge zwischen messbaren Größen im Mittelpunkt. Eine qualitative Fallstudie beschreibt hingegen ein Phänomen, das bisher wenig verstanden ist.
Probleme aus dem Betrieb übersetzen
Schreibst Du über Dein eigenes Unternehmen, ist einige Vorsicht geboten. Ein Problem wie „Der Vertrieb verkauft zu wenig“ ist noch keine wissenschaftliche Problemstellung. Es gilt, das betriebliche Anliegen in eine allgemeinere Frage zu übersetzen. Aus der sinkenden Motivation im Vertrieb wird etwa die Frage, wie Anreizsysteme in mittelständischen Vertriebsteams wirken.
Dein Unternehmen bleibt dabei der Fall, an dem Du die Frage untersuchst. Die Problemstellung bezieht sich jedoch auf Theorie und Forschungsstand, nicht nur auf interne Abläufe. Solche Arbeiten sind besonders häufig neben dem Job und im Fernstudium. Wie Du aus einer Aufgabe im Betrieb ein Thema machst, zeigt zudem der Beitrag Bachelorarbeit Thema finden.
Realistische Forschungslücke
Wie groß muss die Lücke sein? Viele Studierende setzen sich unter Druck, weil sie glauben, Neuland entdecken zu müssen. Das verlangt im Bachelor niemand. Eine gute Lücke ist oft ein Kontexttransfer: Du überträgst ein bekanntes Modell auf eine neue Branche, Zielgruppe oder Region. Auch der Vergleich zweier bekannter Ansätze genügt in der Regel.
Realistischer Anspruch
Für die Bachelorarbeit genügt es, bekannte Ansätze auf einen neuen Kontext zu übertragen oder zu vergleichen.
Formulierungshilfen und Beispiel
Bestimmte Signalwörter lenken den Blick auf die Lücke und machen die Struktur sichtbar. Nachstehend findest Du typische Wendungen für jede Stufe des Trichters:
| Stufe | Aufgabe | Typische Wendungen |
|---|---|---|
| Kontext | Umfeld und Relevanz zeigen | „In den vergangenen Jahren …“, „Mehrere Studien zeigen …“ |
| Lücke | Widerspruch benennen | „Bislang unberücksichtigt bleibt …“, „Unklar ist jedoch …“ |
| Überleitung | Ziel und Frage ableiten | „Hier setzt die vorliegende Arbeit an.“, „Daraus ergibt sich die Frage …“ |
Wie das im Zusammenhang aussieht, zeigt das folgende Beispiel. Es dient der Orientierung, die Belege setzt Du mit Deinen eigenen Quellen ein.
Digitale Hilfsmittel
KI-Suchwerkzeuge wie Elicit oder Sprachmodelle wie ChatGPT können helfen, Studien zu einem Thema zu finden oder Abschnitte zum Forschungsbedarf schneller zu sichten. Ich empfehle Dir jedoch, vorgefertigte Texte nicht zu übernehmen. Sie klingen oft allgemein und enthalten mitunter erfundene Quellen. Formuliere die Problemstellung selbst und beachte die Regeln Deiner Universität, wie im Beitrag zur KI in der wissenschaftlichen Arbeit beschrieben.
Typische Fehler
Der häufigste Fehler sind Behauptungen ohne Beleg. Schreibst Du, ein Thema werde immer wichtiger, braucht diese Aussage eine Quelle. Ohne Beleg drohen Abzüge in der Bewertung, auch wenn der Rest der Arbeit überzeugt.
Ein zweiter Fehler ist ein rein beschreibendes Thema. „Die Entwicklung des Onlinehandels“ beschreibt ein Feld, nennt aber keinen Konflikt. Zeige stattdessen, was an dieser Entwicklung ungeklärt ist.
Zudem nehmen manche Studierende die Lösung vorweg. Die Problemstellung bleibt jedoch ergebnisoffen, Empfehlungen gehören an das Ende der Arbeit. Wie Du sie dort ableitest, zeigt der Beitrag zu Handlungsempfehlungen.
Mein Rat: Prüfe Deine Problemstellung vor dem Gespräch mit dem Betreuer anhand von drei Fragen. Ist der Konflikt klar erkennbar? Sind die zentralen Aussagen belegt? Führt die Problemstellung logisch zu Deiner Forschungsfrage? Möchtest Du Deine Einleitung gemeinsam schärfen, begleite ich Dich im Thesis-Coaching für Berufstätige.



