StudiArbeit
Kostenloses Erstgespräch

Empirische oder theoretische Bachelorarbeit: Die richtige Wahl

Veröffentlicht am 31.10.20267 Min. Lesezeit

Sebastian Jacobitz

Kostenloses Erstgespräch

Ich lese jede Anfrage selbst und melde mich zeitnah.Sebastian

Kostenlos, unverbindlich und vertraulich.

Empirische oder theoretische Bachelorarbeit: Die richtige Wahl
Methodik & Empirie

Die Bearbeitungszeit einer Bachelorarbeit beträgt je nach Prüfungsordnung meist acht bis zwölf Wochen, mitunter auch vier Monate. In dieser Zeit musst Du das Thema eingrenzen, Literatur sichten und schreiben. Hinzu kommt eine Grundsatzfrage: Erhebst Du eigene Daten, oder arbeitest Du mit bestehender Literatur?

Vielleicht kennst Du das: Kommilitonen erzählen, nur eine eigene Umfrage bringe eine gute Note. Doch das stimmt so nicht. Eine empirische oder theoretische Bachelorarbeit ist wissenschaftlich gleichwertig, beide verlangen ein systematisches Vorgehen. Entscheidend ist, welche Form zu Deiner Frage, Deinem Zeitbudget und Deinem Lehrstuhl passt.

Folgend erhältst Du die Unterschiede, den realen Zeitbedarf, einen dritten Weg über vorhandene Daten und eine Entscheidungshilfe. Die Hinweise gelten für die Masterarbeit genauso. Wie findest Du die Arbeitsform, mit der Du sicher ans Ziel kommst?

Grundlegende Unterschiede

Beide Formen beantworten eine Forschungsfrage, nur auf unterschiedlichen Wegen. In einer empirischen Arbeit erhebst Du eigene Daten, etwa durch Interviews, eine Umfrage oder Beobachtung. In einer theoretischen Arbeit sind Fachtexte Dein Material, das Du ordnest, vergleichst und bewertest. In beiden Fällen entsteht ein eigener Erkenntnisgewinn.

Die Gepflogenheiten unterscheiden sich je nach Fach. In Wirtschafts- und Sozialwissenschaften sind beide Formen verbreitet, in den Geisteswissenschaften überwiegen theoretische Arbeiten. Manche Institute empfehlen für den Bachelor ausdrücklich Literaturarbeiten, etwa das Institut für Germanistik und Berufliche Bildung der Universität Osnabrück. Aufwendige Erhebungen bleiben dort eher der Masterarbeit vorbehalten.

Empirische Ansätze

Empirisch arbeitest Du entweder qualitativ oder quantitativ. Qualitativ führst Du etwa Leitfaden- oder Experteninterviews mit wenigen Personen und wertest sie inhaltsanalytisch aus. Quantitativ befragst Du mehr Menschen mit einem standardisierten Fragebogen und prüfst Zusammenhänge statistisch. Wie Du das Vorgehen später beschreibst, zeigt der Beitrag zur Methodik der Bachelorarbeit.

Theoretische Ansätze

Eine theoretische Arbeit ist keine Zusammenfassung von Lehrbüchern. Typische Formen sind der Vergleich von Theorien, die Analyse eines Begriffs oder eine systematische Übersicht über den Forschungsstand. Deine eigene Leistung liegt darin, die Literatur nach klaren Kriterien zu ordnen und daraus neue Schlüsse zu ziehen. Ein Prüfer erkennt sofort, ob Du nur referierst oder argumentierst.

Gleichwertige Wege

Empirische und theoretische Arbeiten sind gleichwertig, solange Du systematisch vorgehst und Deine Methode begründest.

Zeitbedarf und Vorläufe

Wie viel Zeit kostet eine eigene Erhebung? Das größte Risiko empirischer Arbeiten ist das Fristendilemma. In acht bis zwölf Wochen musst Du ein Instrument entwickeln, Teilnehmende gewinnen, Daten auswerten und schreiben. Das gelingt in der Regel nur, wenn Du vor der Anmeldung vorarbeitest.

Manche Lehrstühle setzen das sogar voraus. Am Lehrbereich für qualitative Methoden der Soziologie an der LMU München etwa gilt eine Bearbeitungszeit von zehn Wochen. Die Daten sollen daher weitgehend vor der Anmeldung erhoben sein, etwa in Lehrforschungsprojekten. Erkundige Dich daher früh, wie Dein Lehrstuhl das handhabt.

Vorlaufzeiten einplanen

Neben der Erhebung kosten Formalitäten Zeit. Schreibst Du mit einem Unternehmen, braucht die Abstimmung eines Sperrvermerks oder einer Geheimhaltungsvereinbarung oft mehrere Wochen. Befragst Du Patienten, Minderjährige oder andere schutzbedürftige Gruppen, kann ein Ethikvotum nötig sein. Auch die Einwilligung nach Datenschutzrecht muss stehen, bevor Du den ersten Fragebogen verschickst.

Nachstehend findest Du Erfahrungswerte für die Planung. Sie schwanken je nach Fach, Betrieb und Stichprobe deutlich.

SchrittÜblicher Zeitbedarf
Fragebogen oder Leitfaden entwickeln1 bis 3 Wochen
Pretest und Anpassungetwa 1 Woche
Feldphase mit Rücklauf2 bis 5 Wochen
Transkription je Interviewstunde4 bis 8 Arbeitsstunden
Sperrvermerk, Datenschutz, Ethikvotumeinige Wochen, je nach Stelle

Ich empfehle Dir, Leitfaden oder Fragebogen schon vor der Anmeldung zu entwickeln und abzustimmen. So beginnt die Bearbeitungszeit mit der Feldphase statt mit dem Planen. Schreibst Du im Fernstudium oder neben dem Job, kläre die Fristen früh mit Deinem Betreuer. Wie das auf Distanz gelingt, zeigt der Beitrag zur Bachelorarbeit im Fernstudium.

Lehrstuhl-Kultur erkennen

Jeder Lehrstuhl hat methodische Vorlieben. Sie zeigen sich in den Publikationen der Betreuer und in den Themen früherer Abschlussarbeiten. Veröffentlicht Dein Betreuer vor allem Regressionsmodelle, wird er eine reine Begriffsanalyse womöglich kritischer sehen. Wirf daher einen Blick auf die Publikationsliste und frage nach Beispielarbeiten.

Im Coaching erlebe ich häufig, dass Studierende viel Überzeugungsarbeit sparen, wenn sie ihr Vorhaben an den Schwerpunkten des Lehrstuhls ausrichten. Frage im ersten Gespräch offen, welche Designs der Betreuer bevorzugt. So vermeidest Du, dass er Deine Methode erst nach der Anmeldung infrage stellt.

Lehrstuhl fragen

Kläre vor der Anmeldung, welche Arbeitsform Dein Lehrstuhl erwartet und welche Vorarbeit in die Frist passt.

Aufbau beider Arbeitsformen

Die Arbeitsform bestimmt die Gliederung. Empirische Arbeiten folgen oft dem Muster aus Einleitung, Theorie, Methode, Ergebnissen und Diskussion, in Fachartikeln als IMRaD bekannt. Theoretische Arbeiten gliedern den Hauptteil hingegen nach Argumenten oder Vergleichskriterien.

Empirische Arbeit

In der empirischen Arbeit bildet die Theorie das Fundament für Hypothesen oder Interviewfragen. Ein Leitfaden der Universität Münster empfiehlt dafür etwa 40 Prozent des Umfangs und höchstens die Hälfte. Wird der Theorieteil länger, fehlt Platz für Deine eigenen Ergebnisse. Im Methodenteil dokumentierst Du Stichprobe, Instrument, Ablauf und Auswertung, in der Diskussion ordnest Du Deine Befunde ein. Daraus lassen sich bei Praxisthemen auch Handlungsempfehlungen ableiten.

Literaturarbeit

Damit eine Literaturarbeit keine Zitatsammlung wird, braucht sie ein klares Raster. Grundlage ist eine dokumentierte Suche mit festen Datenbanken, Suchbegriffen und Auswahlkriterien. Wie Du von zu Hause aus systematisch suchst, zeigt der Beitrag zur Literaturrecherche für die Bachelorarbeit.

Für die Auswertung hilft eine Analysematrix. Darin trägst Du jede Quelle in eine Zeile ein. In den Spalten vergleichst Du sie nach festen Kriterien, etwa Annahmen, Methode, Ergebnis und Grenzen. Aus dieser Übersicht leitest Du die Gliederung des Hauptteils ab. So vergleichst Du Positionen, statt Quellen nacheinander zusammenzufassen.

Analysematrix für eine Literaturarbeit mit Quellen in Zeilen und Kriterien in Spalten
Analysematrix für eine Literaturarbeit mit Quellen in Zeilen und Kriterien in Spalten

Sekundärdaten als dritter Weg

Möchtest Du quantitativ arbeiten, fürchtest aber einen schwachen Rücklauf? Dann bietet sich eine Sekundärdatenanalyse an. Dabei wertest Du Daten aus, die andere bereits erhoben haben. Du führst eine vollwertige statistische Untersuchung durch, ohne auf Teilnehmende angewiesen zu sein.

QuelleTypische InhalteZugang
Destatis (GENESIS-Online)amtliche Statistik, Bevölkerung, Wirtschaft, Bildungfrei abrufbar
Eurostateuropäische Wirtschafts- und Sozialdatenfrei abrufbar
GESIS DatenarchivUmfragen wie ALLBUS, Einstellungen, Sozialstrukturmeist nach Registrierung
SOEP am DIW BerlinEinkommen, Arbeit, Lebenszufriedenheit über viele Jahrenur mit Nutzungsvertrag

Schreibst Du über Dein eigenes Unternehmen, sind auch interne Kennzahlen Sekundärdaten, etwa Durchlaufzeiten, Fehlerquoten oder Umsätze. Kläre die Nutzung schriftlich mit Deinem Arbeitgeber und prüfe, ob ein Sperrvermerk nötig ist. Aus meiner Sicht ist dieser Weg für viele Berufstätige der beste Kompromiss: Die Daten liegen vor, und die Ergebnisse nützen dem Betrieb.

Doch auch hier ist einige Vorsicht geboten. Die Daten wurden für einen anderen Zweck erhoben. Prüfe daher, ob Variablen und Definitionen zu Deiner Frage passen, und beschreibe die Grenzen der ursprünglichen Erhebung im Methodenteil. Plane zudem Zeit für den Zugang ein, denn manche Datensätze erhältst Du erst nach einem Antrag.

Drei Wege zur Bachelorarbeit: eigene Erhebung, Literatur und vorhandene Daten
Drei Wege zur Bachelorarbeit: eigene Erhebung, Literatur und vorhandene Daten

Risiken und Notfallpläne

Kaum eine Arbeit verläuft genau nach Plan. In empirischen Arbeiten bleiben Antworten aus oder Interviews fallen kurzfristig aus. In Literaturarbeiten droht das Abdriften ins Referieren. Das ist völlig normal, solange Du rechtzeitig reagierst und Deinen Betreuer einbindest.

Wenn die Erhebung stockt

Erreichst Du die geplante Stichprobe nicht, musst Du die Arbeit nicht aufgeben. Ein anerkannter Weg ist, die Untersuchung als explorative Studie einzuordnen. Statt verallgemeinerbarer Aussagen zeigst Du erste Tendenzen und beschreibst, wie eine größere Studie aussehen müsste. Reichen die Fälle nicht für komplexe Tests, wertest Du beschreibend aus und begründest das offen.

Scheitert die Feldphase ganz, kann ein Wechsel zu Sekundärdaten die Arbeit retten. Sprich einen solchen Schritt mit Deinem Betreuer ab, bevor Du ihn umsetzt. Wird die Lage aussichtslos, lohnt sich ein Blick auf die Regeln für einen Rücktritt von der Bachelorarbeit.

Widerlegte Hypothesen

Viele Studierende fürchten, ihre Arbeit sei misslungen, wenn sich eine Hypothese nicht bestätigt. Diese Sorge ist in der Regel unbegründet. Auch ein Nullbefund ist ein Ergebnis, sofern Deine Methode stimmt. Mein Rat: Diskutiere offen, warum der erwartete Zusammenhang ausblieb, etwa wegen der Stichprobe oder neuer Einflüsse in der Praxis. Prüfer werten eine solche Reflexion in der Regel positiv.

Entscheidungshilfe

Welche Form passt zu Dir? Neben der Forschungsfrage zählen Zeit, Vorkenntnisse und Dein Arbeitsstil. Nachstehend findest Du die wichtigsten Kriterien im Vergleich:

KriteriumEmpirische ArbeitTheoretische Arbeit
ZeitplanungVorarbeit vor der Anmeldung nötiggut in der Frist planbar
SoftwareStatistik oder Analyse wie SPSS, R, MAXQDALiteraturverwaltung
Abhängigkeit von Drittenhoch, etwa beim Rücklaufgering
Arbeitsstilorganisieren, Kontakte knüpfenviel lesen, abstrahieren
Typisches Risikozu wenige Datenbloßes Zusammenfassen

Vorkenntnisse ehrlich prüfen

Für eine quantitative Auswertung brauchst Du Statistikkenntnisse und Übung mit einem Programm wie SPSS oder R. Lernst Du beides erst während der Frist, fehlen Dir schnell mehrere Wochen. Daher würde ich davon abraten, eine neue Software unter Zeitdruck zu lernen. Nutze lieber die Werkzeuge, die Du aus Seminaren schon kennst.

Fragen für das Betreuungsgespräch

Gehe mit einem konkreten Vorschlag in das erste Gespräch. Formuliere Deine Forschungsfrage vorab und skizziere die geplante Methode. Klären solltest Du vor allem diese Punkte:

  • Hält der Betreuer das Thema als Literaturarbeit für ergiebig genug?
  • Welche Stichprobe erwartet der Lehrstuhl bei einer Umfrage oder bei Interviews?
  • Darf die Datenerhebung schon vor der Anmeldung beginnen?
  • Gibt es Datensätze des Lehrstuhls, die Du nutzen kannst?
  • Gibt es Vorgaben zum Umfang einzelner Kapitel?

Halte die Antworten fest und lass Dir wichtige Absprachen kurz per E-Mail bestätigen. Eine saubere Literaturarbeit ist mehr wert als eine überhastete Erhebung, die in der Frist nicht fertig wird. Wie Du ein Thema findest, das zu Deinem Zeitbudget passt, zeigt der Beitrag Bachelorarbeit Thema finden. Möchtest Du Deine Entscheidung gemeinsam prüfen, begleite ich Dich im Thesis-Coaching für Berufstätige.

Du musst das nicht allein schaffen.

Sag mir, wo Du stehst. Das erste Gespräch kostet nichts, und am Anfang bekommst Du Forschungsfrage und Gliederung gratis dazu.

Erstgespräch sichern

Unverbindlich und kostenlos.