
Bevor die eigentliche Bachelorarbeit beginnt, steht an vielen Lehrstühlen ein Exposé. Dafür planst Du üblicherweise ein bis zwei Wochen ein. Auf wenigen Seiten zeigst Du, welche Frage Du untersuchen willst, wie Du vorgehst und wie Dein Zeitplan aussieht. Mitunter entscheidet dieses Papier darüber, ob Dein Wunschbetreuer zusagt.
Vielleicht kennst Du das: Du möchtest überzeugen, fürchtest aber, Dich zu früh festzulegen. Was passiert, wenn sich die Methode beim Lesen als ungeeignet erweist? Wie Dir geht es vielen Studierenden, die zum ersten Mal ein Forschungsvorhaben beschreiben.
Folgend erhältst Du einen Leitfaden für das Exposé der Bachelorarbeit. Er erklärt Funktion und Verbindlichkeit, Umfang, Bausteine, Unterschiede nach Arbeitsform und den Umgang mit Kritik. Am Ende findest Du eine Vorlage zum Herunterladen. Die Hinweise gelten für die Masterarbeit genauso. Wie schreibst Du ein Exposé, das überzeugt und Dir trotzdem Spielraum lässt?
Funktion und Verbindlichkeit
Das Exposé hat eine doppelte Aufgabe. Für Dich ist es ein Denkwerkzeug: Beim Schreiben merkst Du, ob Thema, Frage und Methode zusammenpassen. Für Deinen Betreuer ist es die Grundlage für die Zusage. Im Coaching erlebe ich häufig, dass Studierende das Exposé als lästige Pflicht sehen. Dabei bewahrt es Dich vor einer Sackgasse, die Du sonst erst mitten in der Bearbeitungszeit bemerkst.
Wie verbindlich ist das Exposé?
Das Exposé ist in der Regel kein Vertrag, sondern eine begründete Planung. Verbindlich ist meist das Thema, das das Prüfungsamt bei der Anmeldung ausgibt. Kleinere Anpassungen am Titel sind oft mit Zustimmung des Betreuers möglich, je nach Prüfungsordnung mitunter nur auf Antrag. Gliederung und Zeitplan darfst Du im Laufe der Arbeit anpassen, ohne jemanden fragen zu müssen.
An vielen Lehrstühlen bleibt das Exposé unbenotet. Es dient als Voraussetzung für die Annahme der Arbeit oder für ein begleitendes Kolloquium. So ist es etwa am Institut für Politikwissenschaft der Leibniz Universität Hannover geregelt. Weichst Du später von der Gliederung ab, führt das daher nicht automatisch zu Abzügen in der Bewertung. Größere Änderungen an Frage oder Methode solltest Du jedoch früh mit Deinem Betreuer besprechen.
Planung statt Vertrag
Das Exposé legt Thema und Richtung fest, Gliederung und Zeitplan darfst Du beim Schreiben anpassen.
Umfang und Vorbereitung
Wie lang muss ein Exposé sein? Die Vorgaben unterscheiden sich deutlich je nach Universität und Fach. Nachstehend findest Du einige Beispiele zum Nachschlagen:
| Universität, Bereich | Umfang |
|---|---|
| Universität Hildesheim | höchstens 2 Seiten Text |
| TU Dortmund, Universität Potsdam | in der Regel 2 bis 3 Seiten |
| Leibniz Universität Hannover, Politikwissenschaft | 2 bis 3 Seiten im Bachelor, 3 bis 4 im Master, plus Literatur |
| Universität Kassel, Ökologische Agrarwissenschaften | etwa 4 Seiten mit Zeitplan und Literatur |
| Universität Bamberg, Internationale Politik | 5 bis 15 Seiten je nach Vorarbeiten |
Für das Schreiben empfiehlt etwa ein Leitfaden der TU Dresden ein bis zwei Wochen. In dieser Zeit sichtest Du Grundlagentexte, schärfst die Frage und formulierst den Text. Schreibst Du neben dem Job oder im Fernstudium, plane großzügiger, denn Absprachen auf Distanz brauchen oft einige Tage Vorlauf.
Beachte zudem die Fristen vor der Anmeldung. An den Ökologischen Agrarwissenschaften der Universität Kassel etwa muss das Exposé mindestens 14 Tage vor der Anmeldung beim Betreuer liegen. Die Bearbeitungszeit von meist acht bis zwölf Wochen beginnt in der Regel erst, wenn Thema und Exposé bestätigt sind. Ich empfehle Dir, den Entwurf früh einzureichen, damit eine Überarbeitung Deinen Start nicht verzögert.

Bausteine des Exposés
Unabhängig vom Umfang folgt fast jedes Exposé einer ähnlichen Struktur. Prüfe zuerst, ob Dein Lehrstuhl eine eigene Vorlage vorgibt. Üblich sind folgende Bestandteile:
- Deckblatt mit Name, Matrikelnummer, Studiengang, Betreuern und Arbeitstitel
- Problemstellung und Relevanz
- Forschungsfrage mit Unterfragen
- Forschungsstand und Forschungslücke
- Methodisches Vorgehen
- Vorläufige Gliederung
- Zeitplan
- Literaturverzeichnis

Deckblatt und Arbeitstitel
Das Deckblatt enthält alle Angaben, die Dein Betreuer für die Zuordnung braucht: Name, Matrikelnummer, Studiengang, Kontakt sowie die Namen von Erst- und Zweitprüfer. Wichtig ist zudem ein Arbeitstitel. Er muss noch nicht endgültig sein, sollte das Thema aber treffend umreißen. Bewährt hat sich ein kurzer Haupttitel mit einem Untertitel, der Gegenstand und Methode nennt.
Problemstellung und Forschungsfrage
Im ersten Teil führst Du in das Thema ein und zeigst, welches praktische oder theoretische Problem Dich beschäftigt. Begründe, warum sich eine Untersuchung wissenschaftlich lohnt, nicht nur, warum Dich das Thema interessiert. Am Ende steht Deine Forschungsfrage in einem Satz.
Mein Rat: Leite aus der Hauptfrage zwei bis vier Unterfragen ab. Sie zeigen die Schritte, mit denen Du die Hauptfrage beantwortest, und ergeben später oft die Kapitel. Wie Du eine tragfähige Frage formulierst, erklärt der Beitrag zur Forschungsfrage der Bachelorarbeit.
Forschungsstand und Forschungslücke
Danach ordnest Du Dein Thema in die Fachliteratur ein. Fasse die wichtigsten Positionen kurz zusammen und zeige, wo es Widersprüche oder offene Fragen gibt. Wie Du die passenden Quellen findest, zeigt der Beitrag zur Literaturrecherche für die Bachelorarbeit.
Zunächst mag es sich wie eine große Hürde anfühlen, im Bachelor eine Forschungslücke zu benennen. Doch niemand erwartet eine bahnbrechende Entdeckung. Es genügt, ein bekanntes Problem auf einen neuen Kontext zu übertragen, etwa auf eine Branche, eine Zielgruppe oder Dein Unternehmen.
Methode, Gliederung und Zeitplan
Im Methodenteil beschreibst Du, wie Du die Frage beantworten willst, und begründest Deine Wahl. Die vorläufige Gliederung reicht bis zur zweiten oder dritten Ebene. Wähle aussagekräftige Überschriften statt „Hauptteil“ oder „Theorie“, damit Dein Betreuer den Gedankengang erkennt. Bei praxisnahen Arbeiten kannst Du schon ein Kapitel für Handlungsempfehlungen vorsehen.
Ergänze einen Zeitplan mit Meilensteinen für Recherche, Erhebung oder Auswertung, Schreiben und Korrektur. Plane mindestens zwei Wochen Puffer vor der Abgabe ein. Wie ein solcher Plan Woche für Woche aussieht, zeigt der Beitrag zum Zeitplan der Bachelorarbeit.
Unterschiede nach Arbeitsform
Der Schwerpunkt des Exposés hängt davon ab, ob Du eigene Daten erhebst oder mit Literatur arbeitest. Welche Form zu Deinem Thema passt, zeigt der Beitrag Empirische oder theoretische Bachelorarbeit.
Literaturarbeit
Für eine Literaturarbeit brauchst Du in der Regel keine Hypothesen. Viele Studierende glauben das dennoch und konstruieren künstliche Annahmen. Konzentriere Dich stattdessen auf den theoretischen Rahmen, die Suchstrategie und die Kriterien für Deine Quellenauswahl. Beschreibe, wie Du die Positionen vergleichen und bewerten willst. Hinweise dazu bietet der Beitrag zur Literaturarbeit.
Empirische Arbeit
Planst Du eine eigene Erhebung, verschiebt sich das Gewicht auf die Methodik. Nenne das Instrument, etwa Interviews oder eine Umfrage, die geplante Stichprobe und Deinen Zugang zum Feld. Bei quantitativen Arbeiten formulierst Du hier bereits vorläufige Hypothesen. Skizziere zudem die Auswertung, etwa eine Inhaltsanalyse oder statistische Verfahren mit SPSS oder R.
Schreibst Du über Dein eigenes Unternehmen, nenne die Zusage des Betriebs für Datenzugang und Gespräche. Kläre zudem, ob ein Sperrvermerk nötig ist. Aus meiner Sicht lohnt es sich, das Exposé auch Deinem Ansprechpartner im Betrieb zu zeigen. So vermeidest Du, dass Lehrstuhl und Arbeitgeber unterschiedliche Erwartungen haben.
Passender Schwerpunkt
Literaturarbeiten beschreiben Suchstrategie und Auswahlkriterien, empirische Arbeiten Instrument, Stichprobe und Feldzugang.
Typische Fehler
Der häufigste Fehler ist ein zu breites Thema. Viele Studierende möchten ein ganzes Problemfeld abdecken statt eines klar umrissenen Ausschnitts. Grenze das Thema zeitlich, räumlich oder nach Zielgruppe ein und nenne ausdrücklich, was Du ausklammerst. Frage Dich ehrlich, ob die Untersuchung in rund 40 Seiten passt.
Ein zweiter Fehler sind unklare Begriffe. Definiere die Schlüsselbegriffe Deiner Frage mit Bezug auf die Fachliteratur, statt sie im Alltagssinn zu verwenden. So zeigst Du, dass Du die Grundlagen Deines Fachs kennst.
Ein dritter Fehler ist eine Methode, die nicht zur Frage passt. Fragst Du etwa nach Ursachen, die Du mit einer kleinen Umfrage nicht belegen kannst, wird Dein Betreuer nachhaken. Prüfe daher, ob Deine Methode die Frage tatsächlich beantworten kann, und passe im Zweifel lieber die Frage an. Wie Du die passende Methode wählst, zeigt der Beitrag zur Methodik der Bachelorarbeit.
KI und Feedback
KI-Werkzeuge richtig nutzen
Werkzeuge wie ChatGPT können Dir helfen, Gliederungsvarianten durchzuspielen oder Suchbegriffe zu finden. Doch hier ist einige Vorsicht geboten. Sprachmodelle erfinden mitunter Quellen, prüfe daher jede Literaturangabe selbst. Beachte zudem die Regeln Deiner Universität zum Einsatz von KI und gib die Nutzung an, wenn sie verlangt wird. Mehr dazu liest Du im Beitrag zur KI in der wissenschaftlichen Arbeit.
Mit Kritik umgehen
Kommt Dein Exposé mit vielen Anmerkungen zurück, ist das kein Versagen. Das ist völlig normal, denn genau dafür gibt es das Exposé. Sammle alle Punkte in einer Liste und ordne sie nach Inhalt, Methode und Form. Bereite das nächste Gespräch vor, indem Du zeigst, wie Du die Kritik umgesetzt hast.
Lehnt ein Betreuer das Vorhaben ganz ab, frage nach den Gründen. Oft lässt sich das Thema mit einer engeren Frage oder einer anderen Methode retten. Passt das Thema grundsätzlich nicht zum Lehrstuhl, ist ein anderer Betreuer mitunter die bessere Wahl. Daher würde ich davon abraten, nach einer Ablehnung sofort ein völlig neues Thema zu suchen. Ideen für eine Neuausrichtung findest Du im Beitrag Bachelorarbeit Thema finden.
Vorlage zum Herunterladen
Für den Einstieg kannst Du die folgende Vorlage nutzen. Sie enthält alle Bausteine mit kurzen Hinweisen, die Du durch Deinen eigenen Text ersetzt. Prüfe vorher, ob Dein Lehrstuhl eine eigene Vorlage oder Seitenvorgabe hat.
Exposé-Vorlage herunterladen (Word)
Ein sorgfältiges Exposé ist das Fundament für eine ruhige Schreibphase. Nutze das Feedback Deines Betreuers, um Dein Vorhaben vor dem Start abzusichern. Möchtest Du Dein Exposé vor der Abgabe gemeinsam durchgehen, begleite ich Dich im Thesis-Coaching für Berufstätige.



